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Die Sendung vom 4. November 2009

“Studentenaufstand gegen Bildungsnotstand” war am 4. November das Thema von Am Punkt. Dabei gab es eine Premiere bei Am Punkt: einen 5. Gast – und zwar das Plenum im Audimax der Uni Wien. Über 1000 Studenten waren vor Ort und konnte die Möglichkeit wahrnehmen, ATV Reporter Martin Thür Fragen & Meinungen mitzuteilen. Zu Gast im Studio bei Sylvia Saringer waren außerdem Beatrix Karl, die Wissenschaftssprecherin der ÖVP, Schriftsteller Robert Menasse, die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer und Thomas Fussenegger, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Jus.


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Zusammenfassung:

Sigrid Maurer findet, dass die Bildungspolitik in Österreich seit 10 Jahren vor allem durch die ÖVP und durch das Dulden der SPÖ völlig bankrott erklärt worden ist.

Die ÖVP-Wissenschaftsprecherin Beatrix Karl widerspricht vehement und spricht von einer positiven Entwicklung des Universitätsbudgets. Es gibt eine deutliche Steigerung von plus 17 %, in keinem anderen Ressort ist in Zeiten wie diesen eine so hohe Steigerung ausverhandelt worden – weiters wurden von Wissenschaftsminister Hahn bereits zusätzlich 34 Millionen Euro zugesichert.

 Thomas Fussenegger, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Jus ist gegen die Besetzung des Audimax. Er findet, diese sei kontraproduktiv und bringt nur eine Schwächung der ÖH. Er hat ein Problem mit den vielen Forderungen, in welcher Weise sie zustande kommen und dass sie sich alle zwei Tage ändern. Er glaubt, dass die Herangehensweise der Besetzer im Endeffekt nichts bringen wird.  

Live aus dem Audimax: Studenten fordern freie Universitäten und dass die Studierenden Bildung bekommen und nicht nur Ausbildung.

Sigrid Maurer bekräftigt dies – Universitäten sind dazu da, kritische Auseinandersetzung mit Themen zu ermöglichen, es soll nicht nur eine Berufsausbildung sein.

Robert Menasse findet die Aktionen der Studenten wichtig, weil die Auseinandersetzung in den Medien schief läuft. Menasse protestiert auf das heftigste gegen die Zahlen, die Beatrix Karl aufgezählt hat. Denen zu Folge müssten die Unis in Geld schwimmen. Aber es geht nicht um die Millionen, sondern wie viel Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Budget ausmacht. Im Moment  sind es 1, 3 %. Frühestens im Jahr 2020 soll es  2 % des BIP ausmachen. In den 1970er Jahren waren es  6 %. Warum ist das nicht beibehalten geworden? Es ist ein eigentümlicher Widerspruch der so genannten Bildungspolitik, dass wir mehr Akademiker brauchen, aber nicht bereit sind, entsprechende Voraussetzungen zu finanzieren.

Live aus dem Audimax: Zwei Studenten versuchen den Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung zu erklären. Bildung ist auch Geistes- und Persönlichkeitsbildung, keine konkrete Berufsausbildung. Eine Studentin merkt an, dass Beatrix Karl ihr im Juni noch gesagt hätte, dass sie vom Bakkalaureat auch nicht viel hält. Die Universitäten sollen keine Fachhochschulen werden, die Grenzen sollen nicht verschwimmen.

Beatrix Karl ist nicht gegen das Bak, da man auch die Vorteile sehen muss, z.B. die bessere Vergleichbarkeit im europäischen Hochschulraum und mehr Möglichkeiten für Studierende im Ausland. Sie gibt aber zu, dass manche Universitäten  bei der Umsetzung des Bak im Studienplan nicht optimal agiert hätten. Es gibt Handlungsbedarf bei den Studienplänen und es gibt auch Handlungsbedarf, den Bachelor in der Wirtschaft bekannt zu machen.

 Zur Frage, ob die deutschen Studenten schuld an der jetzigen Situation sind, entgegnet Sigrid Maurer vehement, dass die Zahlen nur Hetze gegen die deutschen Studenten sind.

Robert Menasse sagt, dass freier Zugang zu Bildung ein Menschenrecht ist, die Voraussetzung für Demokratie. Er regt sich über die Aussage von Beatrix Karl, die Abschaffung der Studiengebühren hat vor allem den reichen Kindern genützt, auf. Zu Werner Faymann kann er nur sagen: Freie Universitäten geöffnet von Bruno Kreisky, geschlossen von Werner Faymann.

Auf die Frage nach einem Numerus Clausus meint Sigrid Maurer, dass sie nichts davon hält, Leute, die studieren wollen, davon abzuhalten. Sie findet im Übrigen, dass die 2 % des BIP bis 2015 umgesetzt werden müssen. Weiters soll ein Hochschulplan erstellt werden, der zeigt wie ein Bildungssystem als Ganzes aufgebaut werden kann – Vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung.

Live aus dem Audimax: Studenten ´melden sich zum Thema Studiengebühren. Solange die ÖVP und die SPÖ regieren, muss man Angst haben, dass diese wieder eingeführt werden. Studiengebühren sind außerdem sozial selektiv, denn wenn man nicht in der Mindeststudienzeit studiert, verliert man nicht nur die Kinder- und Studienbeihilfen, sondern muss noch Gebühren zahlen, und 70 % der Studierenden arbeiten jetzt schon – wie soll man sich da auf das Studium konzentrieren.

 Thomas Fussenegger ist auch nicht für Studiengebühren, denn auch mit Studiengebühren waren die Hörsäle überfüllt. 

Sendungs-Analyse live aus dem Audimax: Edith Meinhard, Bildungsjournalistin des Profils, die findet, dass das Experiment mit dem Außenstudio im Audimax überraschend gut geglückt ist und von den Studenten viele, kurze, fernsehtaugliche Kommentare kamen. Zu Beatrix Karl meint sie, dass ihr Auftritt zwar professionell war, aber sie erstmals in einer direkten Konfrontation mit den Studenten stand – nicht nur zwischen ÖVP und SPÖ – und dass es ihr nicht ganz gelungen ist, aus der Gefahrenzone zu kommen, vor allem beim Thema, ob es um Ausbildung oder Bildung geht.

Dazu meint Beatrix Karl, dass konkret eine breite Diskussion geführt werden wird. Aber dass man auch in der Realität ankommen müsse, denn wenn der Staat Bildung bieten soll, darf er auch Leistung von den Studierenden einfordern. Sie will einen breiten Dialog führen, auch mit den Studierenden. Wobei aber ein großes Problem besteht, weil sie nicht  weiß, mit wem sie sprechen soll.

Sigrid Maurer sieht diesem Dialog skeptisch entgegen, denn Wissenschaftsminister Hahn hat auch in den letzten zwei Jahren kein Interesse gezeigt.

Thomas Fussenegger ruft dazu auf das Audimax wieder frei zu geben und in konstruktive Gespräche zu gehen. Es soll eine Forderungsliste ausgearbeitet werden, aber auf einer breiten Basis, nicht nur von der Audimaxbewegung getragen. Er findet Besetzungen sind immer das letzte Mittel, in diesem Fall wurde es als erstes Mittel eingesetzt.

Robert Menasse fordert vor allen die Journalisten auf, endlich zu recherchieren und die Forderungen der Studierenden richtig weiter zu geben.

Die Besetzung ist  ein Hilferuf am Ende einer langen Kette von Demütigen  und Studierende haben das Recht der freien Meinungsäußerung und der Versammlungsfreiheit. Einen breiten Dialog auf Augenhöhe kann es nur geben, wenn die Studenten konsequent bleiben.

Live aus dem Audimax: Auf die Frage , wie es weitergeht, kommt die Antwort: es ist vielleicht ein Ende in Sicht. Wichtiger als ein Exitszenario ist ein Ausgangsszenario. Das Biotop Uni ist wichtig für die Zukunft und die Politik soll die Angst vor neuen Ideen verlieren.

Die Verantwortung für die Kosten der Besetzung ist im Wissenschaftsministerium zu suchen – es ist den Studenten nichts anderes übrig geblieben, als das Audimax zu besetzen, nachdem alles ausgeschöpft wurde.

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